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4 - Stufenmodell med. Behandlung mit Gattungszuweisung

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4 - Stufenmodell med. Behandlung mit Gattungszuweisung

Beitrag von Schattenjaeger_01 am Fr Aug 06, 2010 5:39 am

Die beschriebenen Symptome sind querschnittlich erfasst. Grundlagen hierfür sind protokollierte Giftauswirkungen bei Stichopfern (entnommen aus Fachliteratur = siehe Rubrik Literatur im Forum bzw. aus der Datenbank der Giftnotrufzentrale München). Spezielle Reaktionen eines allergischen Individuums können nicht berücksichtigt werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Symptome von Organismus zu Organismus unterschiedlich sein können. Mindergiftig bedeutet nicht harmlos, für den gesunden Menschen eher ungefährlich bedeutet ebenfalls nicht harmlos. Allergische Reaktionen können durch Stichunfälle jeder Gattung zum Tode führen.

1.) Stiche mit geringer Lokalsymptomatik ohne systemische Giftwirkung:
Bei Stichen von mindergiftigen Skorpionen, z.B. Euscorpius spec. und Pandinus spec., wird der Schmerz und die weitere auftretende Lokalsymptomatik in der Stärke einen Bienen- oder Wespenstich nicht übertreffen. Man kann in diesen Fällen davon ausgehen, dass keine weiteren Einwirkungen auf den Organismus mehr passieren werden. Eine Lebensgefahr ist auch mit allergischen Reaktionen eher unwahrscheinlich. Diese treten nur in seltensten Fällen auf. Haltern wird eine Tetanusimpfung (Wundstarrkrampf) empfohlen. Zur Behandlung gehört neben verbaler Beruhigung, eine Wunddesinfektion mit Alkohol. Eine weitere ärztliche Überwachung ist nicht notwendig.
Skorpiongattungen, deren Stich nur leichte kurz anhaltende Schmerzen hervorrufen:

  • Diplocentrus spec.: südwestliche USA, Mittelamerika, Westinische Inseln
  • Euscorpius spec.: Südeuropa, südliches Mitteleuropa, Marokko, Vorderasien
  • Hadogenes spec.: südliches Afrika, Madagaskar
  • Heterometrus spec.: Südasien
  • Opisthacantus spec.: Afrika, Florida, Mittel- und Südamerika, Westinische Inseln
  • Opistophthalmus spec.: südliches Afrika
  • Pandinus spec.: Afrika, Mittlerer Osten
  • Scorpio spec.: Nord- und Westafrika, Mittlerer Osten


2.) Stiche mit starker Lokalsymptomatik ohne systemische Giftwirkung:
Gefährlicher sind Stiche von Skorpionen deren Stich stark schmerzend sowie länger anhaltende und stärkere Lokalreaktionen verursacht. Mit systematischen Symptomen durch das Gift ist bei dieser Gruppe, zu welcher z.B. Hadrurus arizonensis oder der europäische Buthus occitanus gehören, nicht zu rechnen, jedoch treten Übelkeit, Schwindel, Hyperventilation bis hin zum Kreislaufkollaps auf. Grund für diese Symptome sind Angstreaktionen sowie Reaktionsreize auf die starken Schmerzen. Neben der allgemeinen notärztlichen Behandlung wird eine Schmerztherapie eingeleitet sowie eine Überwachung im Krankenhaus empfohlen.
Skorpiongattungen, deren Stich heftige, meist lang andauernde Schmerzen hervorrufen:

  • Buthus occitanus: Südeuropa
  • Compsobuthus spp.: Nordafrika, Vorderasien bis Indien
  • Hadrurus spec.: Südwesten der USA, Mexiko
  • Lychas spec.: Süd- und Ostafrika
  • Mesobuthus gibbosus: Östliches Südeuropa, Türkei
  • Ortochirus spec.: Nordafrika, Vorderasien bis Indien und Chin
  • Urodacus spec.: Australien
  • Uroplectus spec.: Zentral- und Ostafrika, Ostindien
  • Vaejovis spec.: Westen Nordamerikas, Mittel- und nördliches Südamerika


3.) Stiche mit starken Schmerzen und kardiovaskulärer Symptomatik:
Die nächst gefährliche Gruppe von Skorpionen löst nach einem Stich einen starken Lokalschmerz sowie eine Stimulation der cholinerge Rezeptoren aus. Zu späterem Zeitpunkt werden durch Katecholaminfreisetzung adrenerge Rezeptoren stimuliert. Die systemische Giftwirkung findet zunächst in einer Form einer Tachykardie, Hypertonie und Extrasystolen statt. In schweren Fällen reicht das Spektrum von Hypotonie bis Schock durch Erschöpfung der Katecholaminspeicher. Bradykardie, AV – Blockierungen sowie selten anfängliche Hypotonie sind durch cholinerge Giftwirkungen verursacht. Als vegetative, cholinerg verursachte Anfangssymptomatik finden sich oft Bronchial-, Nasen-, Speichel- und Tränenfluss sowie gastrointestinale Symptome wie Übelkeit mit Erbrechen. In Extremfällen kann es zu Hyperthermie bis über 41°C kommen. Aufgrund der möglichen schweren Symptomatik muss nach einem Stich aus dieser Gruppe unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Eine klinische Überwachung über einige Stunden ist unerlässlich. Die kardiologischen Auswirkungen sind gut behandelbar. Eine Gabe von Antiseren und deren Wirksamkeit ist umstritten.
Skorpione, deren Stiche starke Schmerzen und kardiovaskuläre Symptomatik hervorrufen können sind:

  • Babycurus spec.: Ost- und Mittelafrika
  • Bothriurus spec.: Südamerika
  • Buthus tunetanus: Nordafrika, Vorderasien


4.) Stiche mit kardialer und zentralnervöser Symptomatik:
Die Gruppe 4 beinhaltet Skorpionarten, welche durch einen Stich große Mengen an Katochelamin freisetzen. Dadurch führen sie lebengefährliche Herz – Kreislauf – Beschwerden herbei. Zusätzlich stimulieren sie das Zentralnervensystem und lösen somit Erregung, Verwirrtheit und Krampfanfälle aus. Die Merkmale eines Stiches der Gattung Centruroides sind extrapyramidale Symptome mit oropharyngealen Dyskinesien und unkontrollierten Extremitätenbewegungen. Zusätzliche peripher neuromuskulär wirkende Toxinanteile können zu Muskelzuckungen, Muskelkrämpfen, Lähmungen und höllisch qualvollen Schmerzen führen. Im Endstudium kann es zu Herzinfarktsymptomen und zu einem kardial und selten auch toxisch verursachten Lungenödem kommen. Symptome der cholinergen und gastrointestinalen Bereiche entsprechen der Gruppe 3. Schon bei lediglich nur in Verdacht kommendem Stich eines Skorpions aus dieser Gruppe ist sofort ein Arzt auf zu suchen. Eine Überwachung ist lebensnotwendig. Garant hierfür ist eine schnellstmögliche Behandlung in den ersten Stunden. Sollte es zu keinen schweren Symptomen in dieser Zeit kommen, wird es in der Folge keine Verschlimmerung des Zustandes des Patienten geben. Wirksame Antiseren für Stiche von Centruroides spp.. und Tityus spp.. egalisieren die neurologische Symptomatik.
Skorpiongattungen, deren Stiche extrem starke Schmerzen, Herz – Kreislauf – Symptome und teils auch ZNS – Symptome hervorrufen können:

  • Androctonus spec. : Nordafrika, Vorderasien
  • Buthacus spec.: Vorderasien
  • Hottentotta spec.: Afrika, Asien
  • Centruroides spec.: USA (Südstaaten), Mittelamerika
  • Hemiscorpius lepturus: Iran, Irak
  • Leiurus quinquestriatus: Nordafrika, Vorderasien
  • Mesobuthus spec.: Indien, Östlicher Mittelmeerraum
  • Nebo hierochonticus: Vorderasien
  • Parabuthus spec.: Südafrika, Ostafrika, Vorderasien
  • Tityus spec.: Mittelamerika, Südamerika, Karibik



Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1999; 96: A-1710-1715
[Heft 25]
Literatur
1. Annobil SH, Omojola MF, Vijayakumar E: Intracranial haemorrhages after nebo hierochonticus scorpion sting: Annal Trop Paediat 1991; 11: 377-380.
2. Bawaskar HS, Bawaskar PH: Role of atropine in management of cardiovascular manifestations of scorpion envenoming in humans. J Tropical Med Hygiene 1992; 95: 30-35.
3. Curry SC, Vance MV, Ryan PJ, Kunkel DB, Northey WT: Envenomation by the scorpion centruroides sculpturatus. J Toxicol Clin Toxicol 1983-84: 417-449.
4. Dehesa-Davila M, Alagon AC, Possani LD: Clinical toxicology of scorpionstings. In: Meier J, White J: Handbook of clinical toxicology of animal venoms and poisons. Boca Raton: CRC Press 1995.
5. Freire-Maria L, Campos JA, Amaral CFS: Treatment of scorpion evenoming in Brasil. In: Bon C, Goyffon M: Envenomings and treatments. Editions foundation Marcel Merieux, Lyon 1996.
6. Gueron M, Margulis G, Sofer S: Echocardiographic and radionuclide angiographic observations following scorpion envenomation by leiurus quinquestriatus. Toxicon 1990; 28 (9): 1005-1009.
7. Gueron M, Reuben I, Sofer S: The cardiovascular system after scorpion envenomation. A review. Clin Toxicol 1992; 30: 245-258.
8. Ismail M, Abd-Elsalam MA, Morad AM: Do changes in bodytemperature following envenomation by the scorpions Leiurus Quinquestriatus influence the course of toxizity? Toxicon 1990; 28 (11): 1265-1284.
9. Ismail M, Abd-Elsalam MA: Serotherapy of scorpion envenoming: pharmakokinetics of antivenoms and a critical assessment of their usefulness. In: Bon C, Goyffon M: Envenomings and their treatments; Editions foundation Marcel Merieux, Lyon 1996.
10. Junghanss Th, Bodio M: Notfall-Handbuch Gifttiere. Stuttgart: Thieme 1996.
11. Radmanesh M: Androctonus crassicauda and its clinical study in Iran. J Tropical Med Hygiene 1990; 93: 323-326.
12. Radmanesh M: Clinical study of Hemiscorpion lepturus in Iran. J Tropical Med Hygiene 1990; 93: 327-332.
13. Schmidt G: Giftige und gefährliche Spinnentiere. Die neue Brehm-Bücherei, Band 608 WestaRP Wissenschaften, Magdeburg 1993.
14. Schmidt G: Skorpione und andere Spinnentiere. Landbuchverlag Hannover 1996.
15. Sofer S, Shahak E, Gueron M: Scorpion envenomation and antivenom therapy. J Pediatr 1994; 124 (6): 973978.

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Re: 4 - Stufenmodell med. Behandlung mit Gattungszuweisung

Beitrag von Scorpionpig am Do Aug 12, 2010 10:13 pm

Hallo,

Klasse Beitrag. Echt hilfreich. Vielen Dank.

Beste Grüße
Scprpionpig

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Re: 4 - Stufenmodell med. Behandlung mit Gattungszuweisung

Beitrag von LetsRock am Sa Aug 21, 2010 11:39 pm

Dicken Daumen nach oben!

Danke
Martin
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Re: 4 - Stufenmodell med. Behandlung mit Gattungszuweisung

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